Bereits der Titel „Das barmherzige Fallbeil“ verweist auf den Kontext dieses neuen Krimis von Fred Vargas: die französische Revolution. Bei den Leichen zweier Selbstmörder, die vermeintlich überhaupt nichts miteinander zu tun haben, findet sich jeweils eine schematische Zeichnung einer Guillotine. Diese bringt Kommissar Adamsberg auf die Fährte der „Gesellschaft zur Erforschung der Schriften Maximilien Robespierres“, die sich nicht nur auf Diskussionen beschränkt, sondern die Versammlungen aus der Zeit der Französischen Revolution realitätsgetreu nachspielen. So echt, dass eines der Mitglieder vielleicht den Bezug zur Realität verloren hat? Ein Brief, den eines der beiden Opfer kurz vor ihrem Tod noch aufgegeben hat, weist allerdings in eine komplett andere Richtung: Bei einer Reise nach Island vor mehr als 10 Jahren ist offenbar Grausames passiert in einer Reisegruppe, die sich eher spontan zu einem Ausflug zusammengefunden hatte. Und es scheint, dass der Täter von damals nun sein grausiges Werk fortsetzt.

Fred Vargas‘ Kommissar Adamsberg ist für mich einfach einer der besten Kommissare in der Krimiwelt. Weil er ein skurriler Typ ist, mit Ecken und Kanten, weil er um die Ecke denkt, weil er immer bereit ist, ungewöhnliche Wege zu gehen. Und weil er ein wunderbares Team um sich hat, das aus genauso skurillen Typen besteht und das aber nur zusammen grandiose Ergebnisse erzielen kann.
Und die Autorin Fred Vargas ist für mich eine der besten Krimiautorinnen, weil sie es immer wieder schafft, völlig verschiedene Themengebiete zu einem Fall zu verbinden, und weil ihre Bücher immer bis zum Ende spannend bleiben, weil viele Lösungen möglich erscheinen.
Und da ist auch der neue Fall keine Ausnahme.
Zwei Dinge haben mich dieses Mal allerdings gestört: Auch in diesem Fall macht Adamsberg einen Alleingang, trifft dabei einen skurrilen alten Mann, der ihm letztlich einen entscheidenden Tipp gibt, weil er als einziger an ihn glaubt – ein Muster, das wir bereits aus anderen Fällen kennen und das sich irgendwie abnutzt. Und dann erscheint es mir völlig unmotiviert, warum Adamsberg ausgerechnet dieses Mal so massiver Widerstand aus seinem Team entgegenschlägt, wo er doch dafür bekannt ist, auch ungewöhnlichen Dingen nachzugehen.
Trotz alledem ist auch dieser Vargas ein großes Lesevergnügen für Fans von guter Krimiliteratur!

Fred Vargas „Das barmherzige Fallbeil“
Limes ISBN: 978-3-8090-2659-4
19,99 EUR

Das barmherzige Fallbeil von Fred Vargas

 

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