Auch mein nächstes gelesenes Buch beschäftigt sich mit dem Thema Mutterwerden.

Zuerst muss ich sagen, dass ich lange nicht mehr einen so schön gestalteten Roman in der Hand gehabt habe. Das Design und die Farben des Covers werden im Buch wieder aufgenommen, und es macht schon Spaß, es einfach nur durchzublättern.

So vielschichtig wie das Motiv auf dem Cover ist dann auch die Geschichte. Eine Frau wünscht sich ein Kind. Aber es will und will nicht klappen. Alle anderen werden schwanger und bekommen nach und nach Kinder, und die Ich-Erzählerin wird immer einsamer. Ihr Körper wird ihr Feind, und ihre Beziehung leidet. Dann endlich ist sie doch schwanger, aber sie verliert das Kind. Die anderen bemitleiden sie, können ihren Schmerz aber nicht nachvollziehen und mit der ungewollten Kinderlosigkeit noch weniger umgehen, als die Erzählerin selbst.
Ein Urlaub in Afrika und der Besuch bei einem Wahrsager bringt die Wende im Kopf, die beiden entscheiden sich für eine Adoption. Zwar ist auch dieser Weg des Kinderbekommens nicht dasselbe und auch nicht einfach, es gilt viele bürokratische Hürden zu überwinden. Doch zum ersten Mal bewegen sie sich unter Gleichgesinnten und fühlen sich verstanden. Sie adoptieren einen Jungen aus Afrika. Und nachdem es einmal geklappt hat, durchlaufen sie das ganze Prozedere sogar noch ein zweites Mal.

Kinder bekommen oder eben in diesem Fall nicht bekommen ist ein sehr, sehr sensibles und schwieriges Thema, über dass frau und man nicht gerne spricht, von dem aber erfahrungsgemäß auch im eigenen Freundes- und Bekanntenkreis mehr Menschen betroffen sind, als man denkt. Umso mutiger ist es, darüber ein so persönliches Buch zu schreiben und so schonungslos ehrlich zu sein. Ich jedenfalls habe beim Lesen schlimm mitgelitten und auch mitgefiebert, weil ich dieser sympathischen Erzählerin so sehr gegönnt habe, dass sich ihr Wunsch erfüllt und die Geschichte doch ein Happy End bekommt. Und das auch weil „Muttergehäuse“ in einer so direkten und starken Sprache geschrieben ist, der man sich einfach nicht entziehen kann.
Es gibt ein Happy End, und so macht das Buch vor allem Mut – Mut für seinen Traum zu kämpfen und dabei auch ungewöhnliche Wege zu gehen. Eine Adoption ist sicherlich nicht für jedes kinderlose Paar eine Option oder gar die Lösung. Aber oft hilft es schon, zu wissen, dass man mit seinem Problem nicht allein ist, um vielleicht in eine ganz neue Richtung zu denken.
Absolut empfehlenswert. Eine Autorin und ein Verlag, die man sich merken sollte.

Gertraud Klemm: Muttergehäuse
Kremayr & Scheriau
ISBN: 978-3-218-01023-8
19,90 EUR

 

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