Buchpremiere: „Alfred Andersch desertiert. Fahnenflucht und Literatur (1944-1952)“ mit Jörg Döring (Mitautor) und Helmut Böttiger

Alfred Andersch ist Westdeutschlands berühmtester Deserteur. Sein autobiografischer Be­richt „Die Kirschen der Freiheit“ (1952) beschreibt die Umstände seiner Fahnenflucht aus Hitlers Wehrmacht am 6. Juni 1944 in Italien. Aber war er überhaupt ein Deserteur?
Seit in seinem Nachlass ein Text auftauchte, den Andersch schon 1945 im Kriegsgefange­nenlager geschrieben hatte und in dem die Gefangennahme gar nicht als Desertion ge­schildert wird („Amerikaner – Erster Eindruck“), sind Zweifel daran laut geworden, ob An­dersch zu Recht in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin als Deserteur geehrt wird.

Niemals bislang ist der Versuch unternommen worden, Anderschs Selbstbeschreibung an­hand militärhistorischer Quellen zu überprüfen. Das vorliegende Buch versammelt diese Dokumente und erzählt eine in Teilen andere Geschichte: „Die Kirschen der Freiheit“ im Lichte der Akten. Eine Geschichte vom Überleben im Krieg, vom Heldenmut der Kampfes­müden und von den literarischen Verfahren der Selbstkonstruktion eines Autors. Moderation: Ralf Schnell

„Das große Verdienst dieser Publikation besteht – neben der guten Lesbarkeit! – zum einen in der Auswertung und Darstellung neuer Quellen, zum anderen in der werkstrategischen Einordnung von Anderschs Desertionsnarrativ.“ (Jochen Schimmang / Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Wann: Mittwoch, 15. Juli 2015 um 20.00 Uhr
Wo: Literaturforum im Brecht-Haus, Chausseestraße 125 in Berlin Mitte
Eintritt: 5,- EUR, ermäßigt: 3,- EUR